"The market evolution phase is ending. The public finance crisis causes
very likely an e-invoicing revolution", so die These von Veranstalter
Bruno Koch in seinem Schlusswort zum „European EXPP Summit“, dem
führenden europäische Fachkongresses für elektronischen
Rechnungsaustausch, der in seinem sechsten Jahr vom 11. bis 12. Oktober
in München stattfand. Neben der Analyse der Marktentwicklung bildeten
die Auseinandersetzung mit der EU-Direktive vom Juli 2010 sowie kommende
Standards zum Rechnungsaustausch Schwerpunkte der Veranstaltung.
Der öffentliche Sektor bestimmt, so Koch, in den nächsten Jahren maßgeblich das Tempo hin zur elektronischen Rechnung. Aufgrund der Krise ihrer Finanzen werden die Staaten einerseits versuchen, intern Kosten zu sparen, und nach außen das Steueraufkommen zu steigern. Um Verwaltungskosten zu senken, akzeptieren bereits heute einige Staaten bei öffentlichen Aufträgen nur noch elektronische Rechnungen. Dies wird sich in den nächsten beiden Jahren weiter durchsetzen. In diesem Zeitraum werden auch die rechtlichen Grundlagen für eine Pflicht zum elektronischen Rechnungsaustausch geschaffen. In den darauf folgenden beiden Jahren werden die Finanzbehörden dann zu einer Rechnungsprüfung in Echtzeit übergehen, die es in Brasilien und Mexiko bereits gibt. Dies gilt insbesondere für Länder mit großer Schattenwirtschaft und gleichzeitig etablierter Kontrollkultur. Dazu gehören neben Deutschland Länder wie Griechenland, Italien, Portugal, Frankreich, Spanien und Belgien. Verkürzt gesagt bedeutet dies, dass Rechnungen perspektivisch über das Finanzamt verschickt werden. Was folgt aus der EU-Direktive vom Juli 2010?
Mit dieser Frage setzten sich einige der Vorträge sowie eine Podiumsdiskussion auseinander. Überzeugende Hinweise, wie die nationalen Gesetzgeber die Frage beantworten könnten, waren nicht erkennbar. Dafür wurde deutlich, wie schwierig es werden wird, die verschiedenen Anforderungen der Direktive unter einen Hut zu bringen.
- Die Hürden beim Einstieg in den elektronischen Rechnungsaustausch sollen abgebaut werden.
- Papierrechnungen und elektronischen Rechnungen sollen gleich behandelt werden.
- Die administrativen Belastungen bei Papierrechnungen dürfen nicht größer werden.
- Die Echtheit der Herkunft, die Unversehrtheit des Inhalts und die Lesbarkeit bis zum Ende der Aufbewahrungsfristen muss für alle Rechnungen (Papier und elektronisch) sichergestellt werden.
- Jeder Steuerzahler darf das Verfahren selbst bestimmen, wie er die Echtheit der Herkunft, die Unversehrtheit des Inhalts und die Lesbarkeit sicherstellt.
- Ein mögliches Verfahren dazu sind "business controls", die einen verlässlichen Prüfpfad zwischen einer Rechnung und einer Lieferung schaffen.
Was unter business controls verstanden werden kann und was diese leisten müssen, wurde von verschiedenen Seiten erörtert. Den Interpretationsspielraum sah Gary Wilkinson von der "Steuern und Zollunion" der Europäischen Kommission allerdings relativ gering: "Controls in place for paper should be sufficient for e-invoicing (equal treatment)."
Standards zum Rechnungsaustausch
Dass der elektronische Rechnungsaustausch standardisierter erfolgen muss als heute, daran besteht kein Zweifel. Ob es allerdings einen oder mehrere Standards geben wird, ist offen. Vertreter von drei Standardisierungsansätzen trafen sich zum Roundtable.
Da gibt es einmal den ISO-Standard 20022 mit der Bezeichnung UNIFI. Dieser beschreibt auf der Basis der XML-Syntax eine Bibliothek von Nachrichtentypen für die Kreditwirtschaft.
Daneben hat das internationale Konsortium OASIS (Organization for the Advancement of Structured Information Standards) UBL (Universal Business Language) entwickelt, einen lizenzfreien, XML-basierten Standard zum Austausch elektronischer Geschäftsdokumente.
Schließlich noch der Standard von UN/CEFACT (United Nations Centre for Trade Facilitation and Electronic Business).
Jeder dieser Standards entspringt einer eigenen Zielsetzung, hinter jedem dieser Standards stehen Interessengruppen. Doch gibt es zwischen den Standards nicht einen gemeinsamen Kern? Oder einen Metastandard?
Antworten sind hier schwierig. Es werden auf absehbare Zeit weiterhin verschiedene Standards nebeneinander existieren. Vielleicht nähern sie sich einander an und ihre Schnittmenge wird größer. Auf jeden Fall wird die Transformation zwischen den Standards einfacher.
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